Von der Einstellung hängt alles ab. Auch Schmerzen leiden wir nach unserer Einbildung. Jeder ist so elend, wie er meint, es zu sein. Darum ist es nötig, alles Klagen über schon gehabte Schmerzen zu unterlassen und nie zu sagen: "Welche Qualen habe ich durchgemacht. Nie ging es mir schlechter. Ich glaubte, ich würde nie wieder hochkommen" Selbst wenn es wahr wäre: Es ist vorüber! Und es schadet nur, vergangene Schmerzen durch Darandenken wieder aufzufrischen und immer noch elend zu sein, weil man es gewesen ist. Zwei Dinge also sind zu verbannen: die Furcht vor Zukünftigem und das Andenken an vergangenes Ungemach. Denn jenes berührt mich noch nicht, dieses existiert nicht mehr. Und über die Widerwärtigkeiten selbst tröstet man sich: Später bereitet es vielleicht Freude, der jetzigen Leiden zu gedenken. Wie schnell sind sie vorbei. Man gehe dagegen an; denn man wird besiegt, wenn man nachgibt; man siegt, wenn man gegen seinen Schmerz angeht !

Seneca

Der sensible Mensch leidet nicht aus diesem oder jenem Grunde, sondern ganz allein, weil nichts auf dieser Welt seine Sehnsucht stillen kann.

J.P. Satre