Gott ist Herkunft und Zukunft

Vom Glauben und den Religionen

 

Dies ist eine Zusammenstellung verstreuter Zitate aus verschiedenerlei Quellen ( Briefe, Aufsätze, Dichtungen )

 

Wenn ich sage: Gott, so ist das eine große nie erlernte Überzeugung in mir.

 

In der Menge ist jeder so klein, dass er nicht Hand anlegen kann an den Bau Gottes. Der Einzelne aber, der ihm gegenüber tritt, schaut in sein Angesicht und ragt sicher bis zu seiner Schulter auf... dieses ist mein bester Lebensmut; dass ich groß sein muss, um seiner Größe wohlzutun, dass ich einfach sein muss, um ihn nicht zu verwirren, und das mein Ernst irgendwo zu seinem Ernstsein stößt.

 

Alle welche dich suchen, versuchen dich.

Ich aber will dich begreifen wie dich die Erde begreift -

Ich will von dir keine Eitelkeit, die dich beweist.

Ich weiß, dass die Zeit anders heißt als du.

Tu mir kein Wunder zulieb. Gib deinen Gesetzen recht,

die von Geschlecht zu Geschlecht sichtbarer werden.

 

Ich finde in den schlechtesten Tagen doch immer wieder einen Rest Geduld, nicht Geduld mit mir (die ist längst aufgebraucht) aber Geduld zu Gott, wenn man so sagen kann, eine stille entschlossene Lust zu seinem Maßstab.

 

Die allgemeine Kirche hat die Funktionen der Frömmigkeit verallgemeinert

 

Wer aber voll religiöser Notwendigkeit war im Innern, der hat längst für sich selbst einen Gottverkehr eingerichtet.

 

Denken Sie, dass mir alle Frömmigkeit unbegreiflich oder gleichgültig ist, die nicht erfindet, die nachspricht, die innerhalb des Vorhandenen sich mit Hoffnungen und Preisgaben einrichtet.

 

Das Verhältnis zu Gott setzt, so wie ich es einsehe, Produktivität, ja irgendein, ich möchte sagen wenigstens privates, die anderen  nicht überzeugendes Genie der Erfindung voraus, das ich mir so weit getrieben denken kann, dass man auf einmal nicht begreift, was mit dem Namen Gott gemeint ist, sich ihn wiederholen, sich ihn vorsagen lässt, zehnmal, ohne zu verstehen, nur um ihn ganz neu, irgendwo in seinem Ursprung, an seiner Quelle aufzusuchen.

 

 

Gott, Du bist  g r o ß

Du bist so groß, dass ich schon nicht mehr bin,

wenn ich mich nur in deine Nähe stelle.

Du bist so dunkel; meine kleine Helle

an deinem Saum hat keinen Sinn.

Dein Wille geht wie eine Welle

und jeder Tag ertrinkt darin.

Nur meine Sehnuscht ragt dir bis ans Kinn

und steht vor dir wie aller Engel größter:

ein fremder, bleicher und noch unerlöster,

und hält dir seine Flügel hin.

 

Die Menschen schauen immer von Gott fort.

 

Sie suchen ihn im Licht, dass immer kälter und schärfer wird, oben. - Und Gott wartet anderswo - wartet - ganz am Grund von Allem. Tief. Wo die Wurzeln sind. Wo es warm ist und dunkel.

 

Ich frage mich, ob wir nicht immer sozusagen an der Rückseite der Götter herantreten, von ihrem erhabenen strahlenden Gesicht durch nichts, als durch sie selber getrennt, dem Ausdruck, den wir ersehnen, ganz nah, nur eben hinter ihm stehend - aber was will das anderes bedeuten, als dass unser Antlitz und das göttliche Gesicht in dieselbe Richtung hineinschauen, einig sind; und wie sollen wir demnach aus dem Raum, den der Gott vor sich hat, auf ihn zutreten ?

 

Es wird kein Beten geben,

dass die Leute zusammenschart.

Du  b i s t  nicht im Verein;

und wer dich fühlte

und sich an dir freute,

wird wie der Einzige auf Erden sein.

 

Gerade auf dem Gebiete des religiösen, als auf Gott bezogen oder beziehbaren Erlebnis sind die Bedürfnisse so wenig entwickelt, dass nur wenige Menschen zu sagen vermöchten,  w e l c h e  die ihrem persönlichen Gottesumgang günstigsten Bedingungen sind.

 

 

Die landläufige Frage, ob einer  - an Gott glaube -, scheint mir schon (so wie wir heute hören) aus der falschen Voraussetzung hervorzugehen, als ob Gott auf dem Wege menschlicher Anstrengung und Überwindung überhaupt zu erreichen sei.

 

Der Fehler der Religionen: Gottes Größe an der Kleinheit der Welt und des Lebens zu beweisen: woraus der relativ große Gott entstanden ist, dessen Gewohnheiten zur Leugnung Gottes geführt hat.

 

Der Mann, der nach vielem Nachdenken, wusste -: Alles ist Gott - war ebenso gerettet und erlöst wie der es ist, der sich schließlich sagte : Es gibt nur eine einzige, tausendfältige bewegte Oberfläche.

 

Da wir nicht imstande sind, unangewandte Kraft. (d.h. Gott selbst,) zu ertragen, so bringen wir sie mit Bildern, Schicksalen und Gestalten in Beziehung.

 

Die Religion ist eine Sache des Einzelnen !

 

Das Aufstehen von Sekten - ist nichts weiter als das natürliche Streben, die Last eines gemeinsamen und erstarrten Glauben aufzulösen auf Einzelne zu verteilen, persönlich zu machen.

 

Wundertäter sind immer eine Schuld ... derer, die die Wunder erwarten und  w o l l e n  , und es gibt keine Persönlichkeit, die sich nicht in dem selben Maße verzerrte, als sie auf diese Ansprüche ihrer Anhänger eingeht ...

 

Das  (ungesunde oder verzweifelte) Wunderverlangen der anderen zwingt sie zu Nebenanwendungen ihrer Kraft, die sich an dem Ausübenden umso mehr rächen, als nur  d e r  Wunder zu tun, fähig ist, dessen Kraft mächtig wäre einer inneren  H a u p t - Sache zu dienen. Auch sind die Rückschläge auf die eigene Eitelkeit jedem Wundertäter gefährlich und zuletzt verhängnisvoll.

 

Ich habe ein unbeschreibliches Vertrauen zu jenen Völkern, die  n i c h t  durch Glauben an Gott geraten sind, sondern die mittels ihres eigensten Volkstums Gott erfuhren, in ihrem eigenen Stamme.

 

 

 

Wie die Juden, die Araber in einem gewissen Grade die orthodoxen Russen - und dann, in anderer Weise, - die Völker des Ostens und des alten Mexikos.

 

Ihnen ist Gott Herkunft und darum auch Zukunft.

 

Den anderen ist er ein Abgeleitetes, etwas, wovon sie fort und wozu sie hinstreben als eigentlich Fremde oder Fremdgewordene, - und so brauchen sie immer wieder den Mittler, den Anknüpfer, den, der ihr Blut, das Idiom ihres Blutes übersetzt in die Sprache der Gottheit.

 

Die Leistung  d i e s e r  Völker ist dann freilich der "Glaube", sie müssen sich überwinden und erziehen, für wahr zu halten, was den Gottursprünglichen ein Wahres  i s t , und darum entgleiten ihre Religionen so leicht ins Moralische, - während ein ursprünglich erfahrener Gott gut und Böse nicht sondert und unterscheidet im Hinblick auf die Menschen, sondern für sich  s e l b s t,  leidenschaftlich besorgt um ihr Nah-an-ihm-sein, um ihr Zu-ihm-halten und -gehören und sonst nichts.

 

Es ist in mir eine am Ende doch ganz unbeschreibliche Art und Leidenschaft, Gott zu erleben, die unbedingt dem alten Testament näher steht, als der Mesiade; ja, wenn ich zugleich allgemein und wahr sein wollte, so müsste ich gestehen, es sei mir doch, zeitlebens, um nichts anderes zu tun, als in meinem Herzen diejenige Stelle zu entdecken und zu beleben, die mich in Stand setzen würde, in  a l l e n  Tempeln der Erde mit der gleichen Berechtigung, mit dem gleichen Anschluss an das jeweils dort Größte anzubeten.

 

Mir persönlich stehen alle jene Religionen näher, in denen der Mittler weniger wesentlich oder fast ausgeschaltet erscheint.

 

Ihm, wenn ich mich so ausdrücken darf, - leitend - zu erhalten, ist mehr und mehr Mühe und Leistung des christlchen Gemüts geworden; der schwierige Weg wird zum Aufenthalt, und manche Kraft, die sich gern in Gott hinüberwürfe, verspätet und verbraucht sich unterwegs.

 

 

Mir ist ... recht fühlbar geworden, wie sehr diese Verabredung, zu der Gott und Mensch in der Leidensgestalt Christi zusammenkommen, mir das Geheimnis beider, Gottes sowohl als das des Menschen, einzuschränken verdächtig ist denn wenn dem Menschen durch das Verbundensein mit der Passion eine wesentliche Erleichterung geschaffen wird, so bleibt doch auf der anderen Seite auch Gott, der immer neue Mittel der Rettung hat, an diesen anerkannten Ausweg gebunden.

 

Mein unmittelbarer gläubiges, mein unbedingteres Herz, kann keinen Gott fassen, der nicht durch das Bestehenbleiben eines Mittlers schließlich verarmen müsste, denn was sollte diese Kanalisierung seiner Kraft, die doch von je gewohnt war, alles zu überfluten und uns die drängensten Überschwemmungen zu bereiten ?

 

Die starke innerlich bebende Brücke des Mittlers hat nur Sinn, wo der Abgrund zugegeben wird zwischen Gott und uns -; aber eben dieser Abgrund ist voll vom Dunkel Gottes, und wo ihn einer erfährt, so steige er ninab und heule drin (das ist nötiger, als ihn überschreiten).

 

Erst zu dem, dem auch der Abgrund ein Wohnort war, kehren die vorausgeschickten Himmel um, und alles tief und innig Hiesige, das die Kirche ans Jenseits veruntreut hat, kommt zurück; alle Engel entschließen sich, lobsingend zu Erde !

 

Alles Unerträgliche in etwas Tröstliches umzustülpen, dieses ist die älteste Philosophie des Christentums.

 

Nie hat sich die Religion mehr ihrer inneren Demütigkeit begeben, nie ist sie anmaßender geworden, als wo sie meint trösten zu können.

 

Das Einsehen unserer Trostlosigkeit wäre zugleich der Moment, in dem jene eigentliche  religiöse Produktivität einsetzen könnte, die allein zwar nicht zum Troste, aber zum redlichen Entbehrenkönnen aller Tröstung führt !

 

Ich will mich nicht schlechtmachen lassen um Christi willen, sondern gut sein für Gott.

 

Ich will nicht von vornherein als ein Sünder angeredet sein, vielleicht bin ich es nicht.

 

 

 

Wo einer (wie ich es bin) zu einer Sichtbarmachung des Geistigen verpflichtet ist, da muss ihm die Kunst als die überaus größere ( als seine weiteste ins Unendliche überführende ) Lebensperipherie einleuchten: müsste er doch sonst sich versagen, ihren Gesetzen und Gestaltungen bis in jene Werke zu folgen, die außerhalb der christlichen Glaubensluft entstanden sind und immer noch, da und dort, in reinster Gültigkeit entstehen.

 

Dass innerhalb der christlichen Kirche Gotteswege von seligstem Aufstieg und von der tiefsten Leistung können begangen werden, dafür sind die ungeheuren Beweise der Heiligenleben da und neben ihnen manches starke und herzliche Überstehen, vielleicht in unserer nächsten Nachbarschaft.

 

Aber diese Überzeugung und Erfahrung schließt in mir nicht die Gewissheit aus, dass die gewaltigsten Verhältnisse zu Gott, wo Not und Antrieb zu ihnen da ist, auch im außerchristlichen Gemüt, in irgendeinem ringenden Menschen, sich auszubilden vermögen, wie ja die ganze Natur, wo sie nur ihren Willen haben darf, unerschöpflich zu Gott übergeht.

 

Über dem Grab eines Heiligen werden ebensoviel neue Menschen wach, wie vor dem unsterblichen Werke eines Schaffenden.

 

Für junge Menschen ist Christus eine große Gefahr, der Allzunahe, der Verdecker Gottes.

 

Sie gewöhnen sich daran, mit den Maßen des Menschlichen Göttliches zu suchen. Sie verwöhnen sich am Menschlichen und erfrieren später in der herben Hochluft der Ewigkeit. Sie irren zwischen Christus, den Marien und den Heiligen umher; sie verlieren sich unter Gestalten und Stimmen. Sie enttäuschen sich an dem Halbverwandten, das sie nicht erstaunt, nicht erschreckt, nicht aus dem Alltag reißt.

 

Sie bescheiden sich und müssten unbescheiden sein, um Gott zu haben.

 

Was wirst du tun, Gott wenn ich sterbe ?

Ich bin dein Krug (wenn ich zerbreche ?)

Ich bin dein Trank, (wenn ich verderbe ?)

Bin dein Gewand und dein Gewerbe,

mit mir verlierst du deinen Sinn.

 

 

Manchmal denke ich mir, wie der Himmel entstanden ist und der Tod: dadurch, dass wir unser Kostbarstes von uns fortgerückt haben, weil noch so viel anderes zu tun war und vorher und weil es bei uns Beschäftigten nicht in Sicherheit war.

 

Göttliche Güte ist so unbeschreiblich an göttliche Härte gebunden, dass eine Zeit, die jene, der Vorsehung vorweg, auszuteilen unternimmt, zugleich auch die ältesten Vorräte der Grausamkeit unter die Menschen reißt. (Wir habens erlebt)

 

Glauben Sie an Gott ?, Glauben Sie an ein Leben nach dem Tode ?

 

Ach ich habe nicht mit Augustinischen Bekenntnissen geantwortet, sondern ganz abwartend; immer sonderbarer mutet mich diese Ungeduld des Geistes an, das alles überspringt, um fragen zu können.

 

Dieses An-den-Rand-Laufen, wie naiv ist es, gerade als dächte man, vom nächsten Bergrand aus in den Weltraum zu schauen.

 

 

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