Gottes Wege

Herbert Sack - Gedichtet in Stalingrad

 

Erscheinen meines Gottes Wege mir seltsam, rätselhaft und schwer,

und gehen Wünsche, die ich hege, still unter in der Sorgen Meer:

Will trüb und schwer der Tag verinnen, der mir nur Schmerz und Qual gebracht,

dann darf ich mich auf eins besinnen: Das Gott nie einen Fehler macht !

 

Wenn mir zu hoch des Herrn Gedanken, zu tief die Brunnen Seiner Huld

wenn alle Stützen haltlos wanken, die Kraft mir feht und die Geduld,

wenn gar mein Blick kein Ziel mehr findet in banger, tränenreicher Nacht -

ein Glaubensfünklein dennoch kündet: Dass Gott nie einen Fehler macht !

 

 

Wenn über ungelöste Fragen mein Herz verzweiflungvoll erbebt,

an Gottes Liebe will verzagen, weil sich der Unverstand erhebt,

dann darf ich all mein müdes Sehnen in Gottes Rechte legen sacht

und leise sprechen unter Tränen: Dass Gott nie einen Fehler macht !

 

Drum still mein Herz und lass vergehn, was irdisch und vergänglich heißt,

im Lichte droben wirst du sehn, dass gut die Wege, die Er weist.

Und müsstest du dein Liebstes missen, ja, gings durch kalte, finstre Nacht,

halt fest an diesem selgen Wissen: Dass Gott nie einen Fehler macht.

 

 

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