Erlebnis vom Kommen des Bräutigams

Berhard von Clairvaux

 

Ich bekenne, das Wort hat mich besucht, und sogar sehr oft. Aber obwohl Er oft in meine Seele gekommen ist, habe ich niemals und zu keiner Zeit den genauen Augenblick Seines Kommens feststellen können. Ich habe gefühlt, dass Er da war; ich erinnere mich, dass Er bei mir gewesen ist. Ich habe manchmal ein Vorgefühl Seines Kommens gehabt; aber ich habe nie Sein Kommen oder Gehen selbst gefühlt. Ich muss gestehen, dass ich bis zum heutigen Tage nicht weiß, wie Er kommt oder geht ...

 

Woher wußte ich denn überhaupt, dass Er da war? Durch seine machtvolle, lebendige Gegenwart. Wenn Er in mich eingetreten war, weckte Er meine schlafende Seele, erleuchtete und besänftigte und entzündete Er mein Herz ...

 

Nur an der Bewegung meines Herzens konnte ich seiner Gegenwart inne werden, und nur an der Besserung meiner sündigen Natur und an der starken Zurückhaltung, die all meinen irdischen Neigungen auferlegt wurde, erkannte ich Macht seines Einflusses.

 

 

Seine Güte und Freundlichkeit haben sich in der Besserung meines Lebens, wie gering sie auch sein mag, gezeigt. In der Umwandlung und Erneuerung meines Geistes, des innwendigen Menschen, habe ich bis zu einem gewissen Grade Seine Lieblichkeit und Schönheit kennengelernt und bin mit staunender Bewunderung Seiner ungeheuren Größe erfüllt worden ...

 

Wann immer Er von mir fortging, wird meine Stimme Ihn zurückrufen. Ich will nicht aufhören nach Ihm zu rufen, wenn Er fortgegangen ist, um ihn das dringende Verlangen meines Herzens nach Seiner Rückkehr wissen zu lassen, auf dass ich Ihm in Glückseligkeit angehören, auf dass Er sich mir hingeben möge.

 

Und ich muss gestehen, dass mich nichts erfreuen kann bis Er wiederkommt, Er, der meine einzige Freude ist.